Eigentlich wollte ich meinen ersten Blogbeitrag über Freude und Zuversicht schreiben.
Nun sitze ich an meinem Küchentisch, und meine Tränen tropfen auf die birkenfarbene Tischplatte. Mein Herz ist schwer und der Druck in meiner Brust kaum auszuhalten.
Was dieses Gefühl ausgelöst hat?
Liebe.
Unendliche Liebe – vermischt mit Trauer.
Ich durfte eine wundervolle Katze in meinem Leben kennenlernen. Allerdings nur für eine viel zu kurze Zeit.
Sie war meine Seelenkatze.
Abends schlief ich mit ihr ein und morgens wachte ich neben ihr auf – auch wenn ich mir manchmal einbildete, dem Erstickungstod nahe zu sein, weil sie so dicht neben meinem Gesicht lag. (Heute muss ich darüber schmunzeln.)
Sie kam ständig und wollte kuscheln.
Egal wo.
Am Schreibtisch, während ich mich durch den Papierkrieg kämpfte.
Beim Häkeln im Ohrensessel.
Beim Kochen, wenn sie sich schnurrend um meine Beine schmiegte.
Und ihr lautes Organ „quackte“ mich an, ihre weichen fusseligen Haare kitzelten mein Gesicht.
Und jetzt …
Stille.
Kein Mauzen mehr, das mich „nervt“.
Kein weiches Fell, in das ich meine Finger vergraben kann.
Kein Schnurren, das mich beruhigt.
Meine Sophie starb sehr jung.
Vermutlich wegen eines nicht diagnostizierten Herzfehlers.
Im einen Moment spielte sie noch im Wohnzimmer mit mir und ihren überall verteilten Papierkügelchen aus Toilettenpapier.
Im nächsten Moment kippte sie um, hechelte, krampfte und schrie vor Schmerz.
Ich wusste intuitiv: Sofort zum Tierarzt.
Ich wohne ländlich – zwanzig Minuten Fahrt.
Ihre Schreie neben mir auf dem Beifahrersitz in der Transportbox hallen noch immer in meinen Ohren.
Beim Tierarzt konnten sie ihren kleinen, weißen Körper nur noch erlösen.
Sie wurde eingeschläfert.
Meine kleine Maus hat mir gezeigt, dass Entscheidungen, die man aus Liebe trifft, manchmal die schmerzhaftesten sind.
Lange Zeit dachte ich, mein „Job auf dieser Erde“ sei es, alten Katzen ein Zuhause zu geben – ihnen ein Gnadenbrot zu schenken und sie, wenn es soweit ist, palliativ begleiten zu dürfen.
Meine Sophia hat mir etwas anderes gezeigt.
Sie hat mir gezeigt, wie eng Liebe, Trauer und Dankbarkeit miteinander verbunden sind.
Ich durfte den Weg von der Liebe über die Trauer hin zur Dankbarkeit gehen.
Dankbar für unsere gemeinsame Zeit.
Für Erinnerungen.
Für Videos mit ihren kleinen Stimmenaufnahmen.
Aus dieser Erfahrung heraus habe ich Dankbarkeitsübungen in meinen Alltag integriert.
Morgens
Im Dämmerschlaf, wenn der Wecker mich aus den schönsten Traumwelten reißt, sage ich laut – (als Single stört das niemand im warmen Bett):
Danke für diesen neuen Tag.
Abends
Dann mache ich einen kleinen Rückblick.
Mindestens drei Dinge – und immer öfter zehn – für die ich an diesem Tag dankbar war.
Momente.
Menschen.
Tiere.
Begegnungen.
Erfahrungen.
Vielleicht möchtest du das auch einmal ausprobieren.
Vielleicht gelingt es dir, schneller Dankbarkeit zu empfinden – ohne den Umweg über einen schmerzhaften Verlust gehen zu müssen, wie ich ihn erlebt habe.
Und falls du diesen Umweg bereits gegangen bist oder gerade gehst, dann erinnere dich bitte daran:
Du bist nicht allein.
Du darfst sein, wie du bist.
Und du bist genau richtig, so wie du bist.
In Liebe
Andrea
Wenn du selbst ein Tier verloren hast und deine Gedanken teilen möchtest, darfst du mir gerne schreiben:
drea.kurth@gmail.com
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